Leben und Werk unseres Keynote-Speakers John A. List

Beim 1. Treffen des Vienna Behavioral Economics Network hält der Ökonom John A. List von der University of Chicago die Keynote: Über Leben und Werk des Kandidaten für den Ökonomie-Nobelpreis.

John A. List, Foto: University of Chicago
John A. List, Foto: University of Chicago

Als der Verhaltensökonom John List von der Universität Chicago im Jahr 2010 herausfinden wollte, warum Frauen weniger Geld verdienen als Männer, schaltete er zwei Inserate für Sachbearbeiterstellen. Die Tätigkeiten waren sehr ähnlich, nur bei der Bezahlung gab es einen wesentlichen Unterschied. Für die eine Stelle wurde ein fester Stundenlohn angeboten, für die andere ein deutlich niedrigerer Grundlohn mit der Möglichkeit, deutlich mehr zu verdienen, wenn man besser als die übrigen Kollegen in der Abteilung arbeitet.

Auf die Stelle mit dem Festgehalt bewarben sich ungefähr gleich viele Männer wie Frauen. Der variabel vergütete Arbeitsplatz erwies sich als deutlich weniger attraktiv. Besonders Frauen erschien die Aussicht, in einen Wettbewerb mit den Kollegen treten zu müssen, nicht sonderlich attraktiv.

John List schloss aus den Ergebnissen seines Feldexperiments, dass wettbewerbsintensive Arbeitsplätze Frauen von der Bewerbung abschrecken können. Daraus folgerte er auch, dass Frauen seltener in Spitzenpositionen gelangen, weil der Weg dorthin wettbewerbsintensiver ist.

Diese Herangehensweise, um Antworten auf eine ökonomisch und gesellschaftspolitische Frage zu finden, ist typisch für die Arbeit des 47-jährigen Ökonomen. List gehört einer neuen Generation von Ökonomen an, die systematisch untersuchen, wie sich die Menschen in der Wirtschaftswelt tatsächlich verhalten – und dafür nutzt er Feldexperimente.

Auf seiner Website an der University of Chicago schreibt er dazu:

“My passion is using field experiments to explore economic questions. I view field experiments as representing a unique manner in which to obtain data because they force the researcher to understand everyday phenomena, many of which we stumble upon frequently. Merely grasping the interrelationships of factors in field settings is not enough, however, as the field experimenter must then seek to understand more distant phenomena that have the same underlying structure. Until this is achieved, one cannot reap the true rewards of field experimentation.”

Für seine Pionierarbeit in der experimentellen ökonomischen Forschung – etwa zur Ökonomie des Schenkens, zur Wirkung sozialer Präferenzen oder zur Prospect Theory – hat List zahlreiche Preise erhalten. Seit 2015 zählt ihn Thomson Reuters zu den Favoriten auf einen Wirtschaftsnobelpreis.

In den letzten Jahren untersuchte er verstärkt, mit welchen Interventionen man armen Kinden bessere Aufstiegschancen verschaffen kann. Dieses Thema wird List auch in seiner Keynote beim 1. Treffen des Vienna Behavioral Economics Network am 7. September 2016 behandeln.

Aus dem Programm:

Politik ist immer noch sehr oft von Ideologie geprägt. Probleme werden identifiziert, je nach Weltbild werden Lösungen vorgeschlagen und diskutiert – eine setzt sich durch. Dabei könnten Politik und Entscheidungsträger schon längst auf empirische Daten zurückgreifen. Welche Intervention wirkt – und welche nicht? Diese Frage wird von Verhaltensökonomen schon seit Jahren experimentell untersucht. Die Erkenntnisse bilden eine Grundlage für neue Initiativen und Gesetze, die nicht auf persönlichen Einschätzungen, sondern auf Evidenz basiert. Beim ersten Treffen des Vienna Behavioral Economics Network diskutieren die beiden Verhaltensökonomen John List (University of Chicago) und Jean-Robert Tyran (Universität Wien) das grosse Potenzial von Feldexperimenten für eine evidenzbasierte Politik.


Save the date!
7. September 2016, 18:30, Wien
Behavioral Economics: Field Experiments as a Revolution in Economics & Politics

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Weiterführende Links zur Arbeit von John A. List:

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