Michael Kosfeld: „Wer nie vertraut, wird nie einem vertrauenswürdigen Menschen begegnen“

Am 11. September 2018 zeigte der Verhaltensökonom Michael Kosfeld beim „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN), warum die Ökonomie die Grundlagen des menschlichen Vertrauens erforscht – und was Unternehmen aus den Ergebnissen lernen können.

Michael Kosfeld beim VBEN. Foto: VBEN/APA-Fotoservice/Hörmandinger

 

Was ist der Grund dafür, dass ich als Geschäftsmann meinem Partner vertraue? Oder als Chef meinen Mitarbeitern? Und wie reagieren meine Mitarbeiter, wenn ich ihnen nicht vertraue?

Das sind Fragen, die Michael Kosfeld, Direktor des Frankfurter Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, schon lange beschäftigen. Der Verhaltensökonom erforscht die Basis sozialer Interaktionen, die Psychologie von Anreizen und eben die Grundlagen von Vertrauen als eine der ganz wichtigen Variablen unserer Gesellschaft.

Am 11. September 2018 sprach Kosfeld im Rahmen des „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN)zum Thema „Vertrauen als Schmiermittel für Wirtschaft und Gesellschaft“ und dabei dabei dem Publikum im Forum Mozartplatz Einblicke in die Erkenntnisse seiner Grundlagenforschung.

Warum vertrauen wir eigentlich?

Den Forscher interessieren vor allem drei zentrale Fragen: Warum vertrauen Menschen? Wann können Menschen vertrauen? Und wieso sollen sie überhaupt vertrauen?

Vertrauen, so machte Kosfeld deutlich, ist eine essenzielle Vorleistung, damit Kooperation entstehen kann. Hauptgrund ist die menschliche Neigung, Gleiches mit Gleichem zu vergelten – die Reziprozität: Wenn wir uns gut behandelt fühlen, revanchieren wir uns entsprechend. Das Problem: Dieses Muster funktioniert auch umgekehrt. Werden Menschen schlecht behandelt, dann behandeln sie andere Menschen ebenfalls schlecht.

Misstrauen senkt die Arbeitsleistung

Für die Beziehung zwischen Management und Mitarbeitern eines Unternehmens sind Erkenntnisse wie diese von hoher Relevanz. So kann sich etwa ein Übermaß an Misstrauen gegenüber Mitarbeitern auf deren Arbeitsergebnisse auswirken. Kosfeld zeigte das in einer Studie, die er gemeinsam mit dem Verhaltensökonomen Armin Falk durchgeführt hatte: Mitarbeitende, denen Chefs Vertrauen entgegenbringen, engagieren sich deutlich mehr als solche, deren Arbeitseinsatz penibel kontrolliert wird.

Sein Fazit: Gute Führung bedeutet, eine Vertrauenskultur zu schaffen. Manchen Managern fällt das schwer. Vertrauen lässt sich nur mittelbar und über lange Zeit aufbauen und geht extrem schnell verloren.

Es gehe darum, Wege zu finden, um Vertrauensbereitschaftund Vertrauenswürdigkeit herzustellen, denn nur auf diesen Grundlagen kann Vertrauen letztendlich entstehen. Oder wie Michael Kosfeld zum Abschluss sagte: „Wer nie vertraut, wird nie einem vertrauenswürdigen Menschen begegnen“

 


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